Humanitäre Herausforderungen gemeinsam meistern
Mit innovativen Technologien und wissenschaftlicher Expertise Menschen in Not unterstützen: Mit diesem Ziel lancierten das IKRK, die ETH Zürich und die EPFL im Jahr 2020 die Initiative ?Engineering for Humanitarian Action?. Die ersten der rund dreissig Projekte sind abgeschlossen, andere gerade gestartet. Eine Auswahl.?
Resiliente Gesundheitsinfrastruktur
Medizinische Einrichtungen sind in Konfliktregionen oft Ziel von Angriffen. Das Projekt ?Building resilience in health infrastructure? beschr?nkt sich daher nicht nur auf die klassische Risikoanalyse, sondern zielt vor allem darauf ab, die Gesundheitsinfrastruktur nach St?rungen widerstandsf?higer zu machen. Am Beispiel des Universit?tsspitals Rafik Hariri in Beirut werden verschiedene Systemkomponenten wie Geb?udetechnik, Tragwerke sowie soziale und technische Abl?ufe im Hinblick auf Resilienz untersucht. Ein schneller Resilienzcheck bewertet anschliessend, wie anpassungsf?hig das System ist, und simuliert m?gliche Reaktionen. Der Ansatz l?sst sich auch auf weitere vom IKRK betriebene Einrichtungen übertragen und verbessert Kommunikation, Planung und Entscheidungsfindung zum Schutz von Patientinnen und Patienten.
Wissen mit globaler Wirkung
Dieser Text ist in der Ausgabe 26/01 des ETH-????Magazins Globe erschienen.
Frühwarnung für Erdbeben
Guatemala weist eine hohe seismische Aktivit?t auf und ist wegen seiner anf?lligen Infrastruktur stark durch Erdbeben gef?hrdet. Zusammen mit der nationalen ?berwachungsbeh?rde konnte im Projekt ?Earthquake early warning in Guatemala? das erste ?ffentliche Erdbeben-Frühwarnsystem des Landes entwickelt werden. Das System sendet kurz vor den ersten Erschütterungen Warnmeldungen auf Mobiltelefone, sodass die Bev?lkerung Schutzmassnahmen ergreifen und die Zahl der Opfer reduziert werden kann. Neue Tools erlauben es, Sch?den zu melden und damit rasch die Auswirkungen eines Bebens einzusch?tzen. Das System st?rkt nicht nur das Bewusstsein der Bev?lkerung, sondern unterstützt auch die Beh?rden darin, das Frühwarnsystem in ihre Notfallpl?ne einzubinden.
Krisen mit Nachtlicht erkennen
Das Projekt ?Humanitarian crisis detection with nightlight? erlaubt es, humanit?re Krisen frühzeitig zu erkennen – auch in abgelegenen oder schwer zug?nglichen Regionen. Herk?mmliche ?berwachungsmethoden stossen dabei oft an ihre Grenzen. Eine L?sung bieten Satellitendaten zur n?chtlichen Beleuchtung, die nahezu in Echtzeit und kostenlos verfügbar sind. Ver?nderungen im Nachtlicht weisen auf ver?nderte Lebensbedingungen und menschliche Aktivit?ten hin. Das Projekt kombiniert diese Daten mit Methoden des Deep Learning und qualitativer Forschung, um ungew?hnliche Muster automatisch zu erkennen. So lassen sich Krisen schneller identifizieren und Hilfsmassnahmen rechtzeitig planen.
Medizinisch versorgt – dank KI
Ein KI-basiertes Planungstool für die Lieferung medizinischer Güter half dem IKRK im Jahr 2023, mehr als 4 Millionen US-Dollar einzusparen. Das Folgeprojekt ?AI for forecasting and demand planning? soll humanit?ren Organisationen weitere Vorteile verschaffen, indem es KI-Tools einsetzt, die sich in kommerziellen Lieferketten bereits bew?hrt haben. Um den Bedarf des IKRK an medizinischen Gütern genauer planen zu k?nnen, werden bisherige Bestelldaten aus Gesundheitsprogrammen analysiert. Darauf aufbauend entwickeln die Projektpartner mithilfe maschinellen Lernens ein Vorhersagemodell, das verl?sslichere Prognosen liefert. Ein Vorteil, der für humanit?re Organisationen, in denen Ressourcen knapp sind und Menschenleben auf dem Spiel stehen, zentral ist.
Hilfe für mangelern?hrte Kinder
Weite Regionen Afrikas sind von einer schweren Ern?hrungskrise betroffen, die zu Mangelern?hrung und Blutarmut führt. Zwar verteilen humanit?re Organisationen therapeutische Fertignahrungsmittel (Ready-to-use Therapeutic Food, RUTF), doch viele Menschen kennen diese Produkte kaum oder akzeptieren sie nur begrenzt. Das Projekt ?Maximizing RUTF benefits for malnourished children? will mit Informationskampagnen die Akzeptanz von RUTF bei der kenianischen Bev?lkerung erh?hen. Das Projekt befasst sich aber auch mit Fragen zur Eisenanreicherung, denn ein zu hoher Eisengehalt in Lebensmitteln kann unterern?hrten Kindern schaden. Dieser kombinierte Ansatz soll RUTF sicherer, wirksamer und akzeptierter machen und so dazu beitragen, Mangelern?hrung und Blutarmut besser zu bek?mpfen.
Sensible Daten schützen
Das Projekt ?Secure infrastructure for humanitarian organisations? konzentriert sich darauf, hochsensible Daten von humanit?ren Organisationen zu schützen. Durch die zunehmende Digitalisierung geraten diese Daten immer mehr ins Visier staatlicher Angriffe. Für humanit?re Organisationen ist es jedoch zentral, dass ihre Daten vertraulich bleiben – denn Vertrauen erleichtert den Zugang zu Konfliktgebieten und betroffenen Menschen. Das Projekt schafft dafür eine Cloud-Umgebung, die Cyberangriffen besser standh?lt. So kann das IKRK seine rechtlich geschützte Rolle wahren und auch in Zukunft neutral und unabh?ngig handeln.